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Ich stehe in einer riesigen Kirche, die bis zum letzten Winkel mit Menschen gefüllt ist. Der Schweiß rinnt mir aus jeder Pore. Es hat beinahe 40 Grad. Es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr an der afrikanischen Ostküste. Mit einer kleinen Gruppe bin ich für zwei Wochen auf einer Exkursion in Tansania. Wir besuchen ein Seminar zum Thema afrikanische Theologie und Migration. Und wir wollen das Land, die Leute und ihren Glauben kennenlernen.

Es ist alles ganz schön anders hier: Nicht nur die Hitze, auch die Sprache und auch der Ablauf des Gottesdienstes. Und es beeindruckt mich. Der Wechsel zwischen Gesang, Ansprache und Gebet, der mir daheim immer gleich vorkommt, ist hier auf einmal außergewöhnlich, irgendwie extra.

Die Herkunft des Wortes extra verrät: Ist etwas extra, dann geht es um etwas, das außerhalb des Normalen liegt, über das Normale hinausgeht. Die Erfahrung eines dreistündigen Gottesdienstes in einer modernen, großen Halle, in der die Pfarrerin mit dem Mikrofon in der Hand Stimmung macht, das ist für mich als deutsche Gottesdienstbesucherin alles andere als normal.

Ich bin froh, wenn ich die Melodie der Lieder wiedererkenne. Hier in Tansania gibt es viele deutsche Kirchenlieder, die in die Landessprache Swahili übertragen wurden. Hieran kann ich mich orientieren. Und spannend ist für mich: Wir sind hier in einer christlichen Gemeinde, unser gemeinsamer Glaube ist begründet in Jesus Christus. Wie der Glaube gelebt wird, wie er inszeniert wird, das ist sehr verschieden.

Nach dem Gottesdienst werden wir von der Gemeinde zum Mittagessen eingeladen. Einer der Theologiestudenten hat das für uns organisiert, er war bereits für eine längere Zeit in dieser Gemeinde zu Gast. Diese Einladung ist etwas Besonderes. Sie ist extra, extra wegen uns. Das rührt mich, denn diese Gastfreundschaft drückt das aus, worum es allen Christen geht: die Nächstenliebe. Und egal, wie verschieden unsere Kulturen, unsere Sprache, unser Essen ist, Gastfreundschaft und Nächstenliebe sind das, was uns als Christen ausmacht. Das Schöne daran ist, egal, wo ich auf der Welt bin, egal woher ich komme und was ich glaube, ich kann mich immer dafür entscheiden, meinem Nächsten etwas Gutes zu tun.

Und ich weiß, dass genau das, was mir grade passiert, vom Wirken Gottes erzählt: extra für uns, extra für mich hat Gott in der Person Jesu seine Liebe zu den Menschen offenbart. Und während wir die für uns ungewohnten Speisen genießen, spüre ich: Er ist mitten unter uns. Selbst, wenn es vielleicht etwas Normales sein sollte, wird mir klar, dass ich einen besonderen Moment erlebe. Extra für mich.

Bildinfo: Dieses Bild können wir dank der Bilderdatenbank pixabay verwenden.

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